Mai 1, 2012 by oliver

Gipfel #5: Brandenburg

Wir treffen uns früh um 7 Uhr am Hauptbahnhof, denn heute erwarten uns etwa 10 Stunden Zugfahrt. Ziel ist der 201,4m hohe Kutschenberg in Brandenburg. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die relativ bekannte Heidehöhe eigentlich höher ist als der Kutschenberg. Ihr Gipfel liegt jedoch in Sachsen, deshalb gilt sie als höchste Erhebung, nicht aber als höchster Berg Brandenburgs.

Soviel zu den Formalitäten, unsere bislang längste Fahrt verläuft ereignisarm. Wir unterhalten uns angeregt über unsere Gefühle, und entwickeln,zumindest theoretisch, diverse Lösungsansätze zu den Problemen unserer schnelllebigen Zeit. Leider werden wir ab Cottbus
in unserem Workflow unterbrochen, da von der einen Seite des Ab-
teils das wohlklingende Röhren eines Kleinkindes erschallt, während von der anderen Seite die verzweifelten, ebenso konstanten wie auch lauten Mautzgeräusche einer Katze erklingen.

Weiterhin kommt es zu einem traurigen Zwischenfall, da Thomas seine mit Liebe zubereitete Rosinenschecke im Abteil vergisst, und diese dann ohne uns die Reise nach Leipzig antritt – au revoir treuer Freund!

Wir kommen schließlich in Ortrand in der Lausitz an, wo es so sommerlich warm ist wie in einer Langnesewerbung. In Hamburg hatte es morgens noch 12 Grad und Regen, dementsprechend sind Schirm und Mantel eigentlich nützliche Accessoires. Als wir allerdings gegen Mittag unser Ziel Ortrand in der Lausitz erreichen, ist der Himmel wolkenlos und es ist sommerlich warm. Thomas zieht seine kurze Hose an und holt die Sonnencreme raus, während ich, zugegebenermaßen sehr schlecht vorbereitet, bereits jetzt in Schwitzen komme- Vermerk fürs Logbuch: IMMER den Wetterbericht für die Zielregion checken!

Nachdem wir noch einige Zeit unentschlossen am menschenleeren Bahnhof rumgehangen haben ziehen wir los Die wenigen Ortränder ?!? (sic), die uns begegnen sehen aus wie bei uns, nur anders. Wir besorgen im ortsansässigen Supermarkt noch schnell alles Notwendige für den anstehenden, etwa 4km langen Marsch. Es ist halb eins, das Licht in dem Laden ist bereits gelöscht, glücklicherweise erklärt sich die freundliche Kassiererin noch bereit, unsere Devisen gegen die dringend notwendigen Kekse und Eiscreme einzutauschen.

 

Wir verlassen den Ort und gelangen zu einer Autobahn-
unterführung, wo die Lichtverhältnisse eine super Möglichkeit für experimentelle Fotografie bieten. Darum entwickelt sich schnell eine etwa halbstündige Session, bei der wir beinahe, aber eben auch nur beinahe unsere Gipfelambitionen vergessen. Nach weiteren 20min Marsch und den üblichen Orientierungsproblem, die wir mit der Hilfe freundlicher Anwohner aus der nahen Siedlung lösen, erreichen wir verschwitzt den bewaldeten Gipfel des Kutschenberges. Dort stärken wir uns mit ein paar Keksen und treten, vorbei an grillenden Motocrossern, es wird u.a. ein ganzes Schwein am Spieß zubereitet, den Rückweg an.

Zurück am Bahnhof begutachten wir noch die leerstehenden Überreste einer Textilfabrik und führen ein gutes Gespräch mit einer Ortsbewohnerin, die selbstbewusst ihre liberale politische Position vertritt- soviel also zu den Eingangs geschilderten Vorbehalten- völlig unbegründet!!!

Die Rücktour verläuft entlang der bereits bekannten Route, in Berlin mischen wir uns noch kurz unter die Touristen und Karottenhosenträger, um uns später noch im Regierungsviertel mit Baguettes und Kaltgetränken zu stärken. Die untergehende Sonne begleitet uns dann zurück nach Hamburg.

Im Mai gehts weiter, unser Ziel wird dann wieder in den mittlerweile sehr lieb gewonnenen neuen Bundesländern liegen.


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