Mai 23, 2012 by oliver

Gipfel #6: Mecklenburg Vorpommern

Wir befinden uns auf der Fahrt von Strasburg nach Lübeck. Draussen ist es fast 30 Grad warm, Thomas pennt, und ich versuche mich am vorliegenden Reisebericht. Heutiges Tourziel ist der Helpter Berg, mit 179 m Mecklenburg Vorpommerns höchster Gipfel. Dieser liegt 3km südlich von der Ortschaft Helpt – ungefähr 30km vor der polnischen Grenze.

Allein die Fahrt dorthin dauerte länger als Auf- und Abstieg zusammen. Wie hat neulich noch einer unserer zahlreichen Facebook Fans bemerkt “Was für eine Zeitverschwendung”. Ich werfe 5 Euro ins Phrasenschwein und merke an “Der Weg ist das Ziel”.

Jedenfalls sind wir so früh unterwegs, dass wir im Zug nach Lübeck noch auf einige gut gelaunte Partypeople treffen. Bereits in der S-Bahn konnte man die spannende Mischung aus frisch geduscht und verfeiert bestaunen. Für einige beginnt der Tag gerade erst, während dieser für andere gerade endet, auch wenn sie dies häufig noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Ab Lübeck geht es gemütliche 3 1/2 Stunden Richtung Stettin. Wir passieren historisch bedeutsame Orte wie Mölln und Bad Kleinen, und es wird teilweise polnisch gesprochen. Kurz vor unserem Ziel, dem Hauptbahnhof von Oertzenhof, können wir dank unseres fotographischen Gedächtnisses bereits die Helpter Berge ausmachen, befindet sich hier doch weithin sichtbar ein formschöner Fernsehturm.

Wir verlassen an einem menschenleeren Bahnhof den Zug und starten nach einigen Streck- und Drehbewegungen zur Auflockerung den etwa 5km langen Marsch gen Gipfel. Der erste Einheimische der uns in der namenstiftenden Ortschaft Helpt begegnet, begrüßt uns mit einem schwer zu verstehend Satz: Irgendwas zwischen “Wer seid ihr denn” oder “wieviele seid ihr”? Er ist schwer zu verstehen, die Botschaft ist uns unklar- eindeutig ist lediglich dass es sich bei dem Mann nicht um den bekannten Talkshowliebling Richard David Precht handelt. Übrigens treffen wir den Onkel auf dem Rückweg erneut, da sagt er dann nix mehr sondern schaut nur noch keck!

Wir kommen gut voran, erfreuen uns dabei an dem relativ naturbelassenen Mischwald und geniessen die für uns “Stadtmenschen” ungewohnte Stille. Kein Zivilistationslärm weit und breit!

Als wir uns so etwas wie dem Gipfelgrat nähern, ist es mit der Stille vorbei, wir sind nicht die Einzigen am Berg! Darauf waren wir nicht gefasst, und ducken uns zu Beratung ins Dickicht. Wir beschliessen uns unauffällig zu verhalten, nesteln die Klamotten in den Modus “halbwegs seriös” und begeben uns zum Gipfel. Auf der von der Evangelischen Gemeinde Woldegk angebrachten Bank befindet sich eine vierköpfige Familie, die uns mit fröhlichem Gesang begrüßt. Nach einem kurzen verbalen Abtasten kommen wir überein uns sympathisch zu finden und tauschen einige Anekdoten aus.

Nachdem sich die Vier verabschiedet haben, führen wir die Standardprozedur durch, es gibt hier mal wieder die Möglichkeit sich in einem Gipfelbuch zu verewigen (es handelt sich um einen Kasten, in dem man seine Botschaft der losen Zettelsammlung hinzufügen kann).

Wir sind jetzt fast 6 Stunden unterwegs, da sich bisher nichts spannendes ereignet hat, beschließt Thomas spontan sich beim Erklettern einer beinahe 5m hohen Birke einige zumindest semispektakuläre Verletzungen am Arm zuzufügen. Hut ab vor soviel Einsatz für unsere Sache, auch wenn dieser langfristig unser gesamtes Vorhaben gefährden könnte.

Nachdem die Tränen getrocknet sind, beginnen wir den Abstieg. Hier begegnen wir weiteren Abenteurern. Respektvoll nicken wir der älteren Dame und ihrem mutmaßlichem Enkel  zu, während diese sich an den Aufstieg wagen. Der Kleine macht übrigens keinen besonders motivierten Eindruck, darum nimmt ihn Oma entschlossen an die Hand. Ob er es allerdings mit dieser Einstellung bis ganz nach oben schaffen wird?

Wie wir nur wenige Augenblicke später feststellen, haben die beiden ihre Fahrräder voller Vertrauen auf Gott und  vor allem ohne abzuschließen an einem Baum am Wegesrand abgestellt. In den Fahrkörben befinden neben Helmen und Handtüchern auch Kekse. Da unsere Vorräte mittlerweile aufgebraucht sind, ist die Versuchung groß, jedoch halten uns die Angst vor der Entdeckung und eine weitestgehend gute Erziehung von dieser Schandtat ab.

Es geht weiter auf der bekannten Route, da wir noch ein wenig Zeit haben, können wir einige Augenblicke an einem einsamen Weiher sitzen, das Erlebte resümieren, und dabei gepflegt eine lauwarme Cola trinken – lecker!

Nur 2 1/2 Stunden nach unserer Ankunft befinden wir uns dann im wieder im Zug. Diesmal ist er deutlich voller, es kommt beinahe zu tumultartigen Szenen, benötigen doch einige Mitreisende für sich und ihr Gepäck bis zu vier Sitze- was zu freundlichen, generationsübergreifenden  Diskussionen führt.

Sonst verläuft die Fahrt reibungslos, in Lübeck erreichen wir den  Zug aus Travemünde und sind gegen sieben zurück in Hamburg. In zwei Wochen gehts weiter, dann werden wir zum ersten Mal einen ansatzweise amtlichen Berg besteigen, das Saarland ruft!


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