September 23, 2012 by oliver

Gipfel #14: Sachsen

Samstag, 4:55 Uhr – aufstehen, der Berg ruft. Wieder mal! So früh ging es allerdings noch nie los. Ziel diesmal ist der Fichtelberg. Dieser ist mit 1214m der höchste Punkt von Sachsen und steht unweit der deutsch-tschechischen Grenze im Erzgebirge.

Treffpunkt ist heute Gleis 5 am Hauptbahnhof. Hier geht es erstaunlich still und gemütlich zu, und so besteigen wir den ICE Richtung Berlin auch in bester Hoffnung dass die Ruhe anhält. Ein paar Stunden Schlaf kämen doch recht gelegen, um noch ein wenig Kraft für die heute anstehende, etwa 30km weite, Tour zu sammeln.

Bis Bergedorf kommen wir auch in den Genuss die Augen schließen zu können, dann ist Fahrausweiskontrolle. Direkt hinter uns gibt es Komplikationen, der Fahrgast erhält quasi die rote Karte und muss denn Zug verlassen. Hierzu ist bereits beim nächsten Halt in Ludwigslust ein kleines Empfangskommando der Bundespolizei angetreten. Natürlich findet eine recht emotional geführte Diskussion statt, an Schlaf oder pünktliche Weiterfahrt ist nicht zu denken. Nachdem der Mann dann aus dem Zug begleitet wurde, können wir unsere Fahrt fortsetzen. Völlig störungsfrei gelangen wir so über Berlin nach Leipzig. Hier ignorieren wir gekonnt den Annäherungsversuch einer älteren Dame, und sind nach nochmaligen Umstieg im schönen Zwickau wie geplant um Punkt 13:15 Uhr in Breitenbrunn.

Von dort starten wir unseren Aufstieg zum Gipfel des Fichtelbergs, diesmal haben wir zusätzlich zur gewohnten iphone Navigation sogar noch ein echte Wanderkarte dabei. Trotzdem gestaltet sich der Weg aus dem Ort ein wenig kompliziert, wir brauchen länger als geplant und verlaufen uns einmal nicht Unerheblich. Das ist normalerweise kein Problem, sind wir doch mittlerweile nervenstark genug um derartige Krisen auszuhalten. Allerdings sitzt uns heute ein wenig die Zeit im Nacken, schließlich haben wir schon Mitte September, da ist es gegen acht dunkel und wir wollen ja heute eigentlich noch ein paar schöne Fotos am Gipfel schießen. Hierzu macht sich Tageslicht in der Regel ganz gut.

Wir entschließen uns zu einer kurzes Rast, teilen uns zwei vegetarische Koteletts aus meinem Proviant und gelangen entsprechend gestärkt im Anschluss dann irgendwie auf den Pfad der Tugend, sozusagen! Es handelt sich hier um den Anton-Günther-Weg, benannt nach eben diesem, der als Dichter des Erzgebirges bekannt ist. Der Weg ist gut beschildert und in den nächsten Stunden machen wir ordentlich Strecke. Dabei überqueren wir übrigens mehrfach die deutsch-tschechische Grenze.

Das Einzige, was weiterhin für Verwirrung sorgt, sind die Kilometerangaben auf den Hinweisschildern: Wenn man ab dem Hinweis “Fichtelberg – 6km” etwa 15min in die nachweislich richtige Richtung geht, ist die Verwunderung entsprechend groß, wenn die Distanz beim nächsten Schild mit 6,8km angegeben wird. Am meisten erstaunt es uns, als wir zwischen zwei Wegweisern, die maximal 100m voneinander entfernt stehen, innerhalb von einer Minute ganze 2km bis zum Fichtelberg gutmachen können.  Aber – anspruchsvolles Programm ist wichtig für die Stimmung in der Gruppe, und Widerstände sind zum Überwinden da!

Gegen sieben ist es dann soweit, wir erreichen mit Beginn der Dämmerung unser Ziel. Es ist ausreichend Zeit noch ein paar Bilder zu machen. Was uns besonders erfreut, ist die Tatsache, dass das Restaurant auf dem Gipfel nicht nur noch geöffnet hat, sondern sogar Unterhaltung geboten wird. Die Impress-Blues-Band spielt live, während wir uns unter die anderen Gäste mischen, um uns mit Spaghetti und Pilzmedaillons zu stärken.

Nachdem Einbruch der Dunkelheit, zahlen wir die Zeche, wünschen schönen Abend und begeben uns auf die Suche nach einem guten Lagerplatz für die Nacht. Beim Aufstieg hatten wir hierfür bereits ein Holzhaus direkt am Gipfel als Schutzhütte ausgemacht. Dort angekommen stellen wir dann leider fest, dass es sich um ein kleines Lagerhaus handelt, was wohl zu dem kleinem Garten direkt nebenan gehört. Wir beschließen nach kurzer Diskussion nicht länger zu suchen, sondern stattdessen einfach die Isomatten direkt neben der Hütte auszurollen. Immerhin bietet die Konstruktion einen guten Schutz gegen den Wind auf über 1200m Höhe. Während wird in einiger Entfernung noch die Zugabe der Impress-Blues-Band hören, findet über uns mal wieder ein beeindruckendes Schauspiel statt. Es stehen keine Wolken am Himmel, der Vorhang für einen wieder mal fantastischen Blick bis in die Milchstraße ist gelüftet!

Nach einiger Zeit, wir haben es vielleicht gerade mal 22Uhr, schlafen wir dann ein. Die Nacht verläuft unspektakulär, es ist jedoch ein wenig frisch. Wie sich morgens herausstellt, gab es sogar leichten Frost. Man merkt auch hieran, dass sich sowohl das Jahr als auch Thomas und ich auf der Zielgraden unserer Tour auf die 16 Gipfel befinden.

Am Morgen stehen wir noch vor Sonnenaufgang auf, schließlich gilt es knapp 10km bis zum Bahnhof  in der Tschechei zurückzulegen. Da hier nur dreimal am Tag Züge fahren, wollen wir den um 9Uhr15 nur sehr ungern verpassen! Gerade als wir das Gipfelplateau verlassen wollen, sehen wir die Sonne aufgehen. So nehmen wir uns dann doch sehr gerne noch einige Zeit, und erleben,sozusagen von den allerbesten Plätzen, wie es innerhalb von 10min spürbar heller und auch wärmer wird.

Entlang der Skilifte starten wird dann den Abstieg. Dieser wird dann häufiger und mit großem Vergnügen unterbrochen, denn mittlerweile ist das Erzgebirge in goldenes Licht getaucht. Es herrschen nahezu perfekte Bedingungen für weitere Fotos zur Dokumentation dieses unvergesslichen Morgens.

Nachdem Thomas und ich dann schließlich den Fuß des Berges erreichen, entschließen wir uns den empfohlenen Weg entlang einer Straße zu verlassen. Auf der anderen Seite der Grenze haben wir nämlich einen viel ruhigeren Pfad ausgemacht. Um hierhin zu gelangen, müssen wir lediglich einen etwa drei Meter breiten „Fluss“ überqueren. Zwar ist keine Brücke auszumachen, durch beherzte Sprünge gelangen wir aber einigermaßen trockenen Fußes auf die andere Seite. Dennoch beschleicht uns auch über zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges das Gefühl eine Art Republikflucht begangen zu haben – hoffentlich gibt das nicht noch Ärger!

Wie dem auch sei, wir sind dann schon eine Stunde vor der geplanten Abfahrt des Zuges am Bahnhof von Ceske Hamry, was übrigens auf deutsch Böhmisch-Hammer bedeutet. Der “Bahnhof” besteht aus einem 5m breiten Holzhäuschen und einer Sitzbank. Im Gleisbett wachsen und gedeihen zahllose Pflanzen, weitere Wartende sind und bleiben Fehlanzeige. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Pumpernickelfrühstück, danach führen wir Balancierwettbewerbe im Gleisbereich durch. Schließlich gestehen wir uns dann, dass doch leichte Bedenken vorhanden sind, ob hier in diesem Jahr überhaupt noch ein Zug anhält. Als dann die Abfahrtszeit beinahe 10min überschritten ist, beginnen wir, ziemlich enttäuscht, mit dem Aushecken von Alternativplänen.

Zum Glück, und beinahe wie aus dem Nichts, hören wir dann aus der Ferne ein rumpelndes Geräusch- irgendetwas quält sich die Berge entlang. Wenig später steht dann unser Reisegefährt vor uns- es sieht aus wie aus einer anderen Zeit, soll uns aber dennoch für nur 2€ an unser Ziel tragen.

Von Velperje, über Chemnitz, Leipzig und Berlin erreichen wir dann planmäßig in etwa 7 Stunden und durch zahllose Nickerchen erholt um 15:56 die mutmaßlich schönste Stadt der Welt. Jetzt geht es an die Planung der beiden letzten Etappen, auf uns warten noch der Feldberg und die Zugspitze.


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