Oktober 14, 2012 by oliver

Gipfel #15: Baden-Württemberg

Wir konnten ja mittlerweile bereits 14 der angepeilten 16 Gipfel bestiegen. Man darf also getrost die Behauptung aufstellen, dass sich eine gewisse Routine eingestellt hat: Proviant kaufen, Rucksack packen, ab zum Bahnhof, sich dort im Gewusel finden – dann, nach einer längeren Zugfahrt, ab auf den Berg – das aus zahlreichen Episoden bekannte Programm.

Für die Tour zum Feldberg haben wir uns darum um ein wenig Abwechslung bemüht – soll ja nicht langweilig werden! Unsere Reise buchen wir diesmal z.B. eine Woche im Voraus, wir fahren mit dem City Night Liner zu unserem 1493m hohen Ziel, den Feldberg in Baden-Württemberg.

Den besagten Zug besteigen wir in Göttingen, vorher haben wir uns nämlich noch mit einem Freund getroffen. Bei dieser Gelegenheit wurden noch schnell, und bereits vor dem “offiziellen” Etappenstart, die obligatorischen Siegerpommes eingenommen! Um 23:30 ist dann Abfahrt mit dem Nachtzug Richtung Basel. Nachtzug – das klingt doch irgendwie nach Agentengeschichten, mit Hutkoffern, Dampflokomotiven und dem Fahrtziel Paris. Verspricht also eine interessante Fahrt zu werden. Allerdings waren wir mit der Buchung etwas spät dran, darum befinden sich die reservierten Plätze im Großraumabteil.

Aber die Liegesessel sind recht bequem, mit Kopfhören und dem Sound von Leonard Cohen im Ohr sind Schnarch- und sonstige Körpergeräusche der Sitznachbarn gut zu übertönen. Morgens um sechs erreichen wir bei Dunkelheit Freiburg im Breisgau. Der Bahnhof wird durch mehrere Gruppen von Postpubertierenden belebt – für die endet der Tag bald, unserer fängt gerade erst an. Darum nutzen wir die viertelstündige Aufenthaltszeit für ein Frühstück mit Croissants und heißem Kaffee.

Eingangs wurde es bereits erwähnt, auf dieser Tour weichen wir von gewohnten Mustern ab. So findet tatsächlich ausgerechnet an diesem Wochenende Richtung des Feldbergs Schienenersatzverkehr statt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als in den gecharterten BUS zu steigen!

Dieser bringt uns sicher nach Titisee – Titisee?!? Wie gesagt, alles anders diesmal, darum zur Abwechslung mal ein wenig Bildungsprogramm. Wir bemühen Wikipedia, wo über die Herkunft des Ortsamens verschiedene Theorien zu lesen sind. Uns gefällt die hier am besten: Der römische Feldherr Titus hat der Legende nach in der Gegend am Titisee gelagert. Dabei scheint ihm der See derart gefallen zu haben, dass er ihm seinen Namen gab.

Okay, weiter im Text! Wir steigen um in die Regionalbahn und erreichen gegen acht den mit 987m höchstgelegen Bahnhof Deutschlands, Feldberg-Bärental.

Von hier können wir schon bald den unbewaldeten Gipfel des Feldbergs erkennen. Der Weg dorthin soll etwa zwölf km lang sein, und ist auf beinahe jedem Meter wirklich sehenswert. Wir passieren beispielsweise den Feldsee, mit seinen beindruckenden, teilweise bis zu 200m hohen Steilklippen, und befinden uns lange Zeit in einen vorherbstlichen und vor allem nahezu naturbelassenen Wald. Grund hierfür ist übrigens, dass dieses Teilstück zum sogenannten “Bannwald” erklärt wurde. Hier lässt man die Natur einfach machen – gefällt uns!

Bereits gegen 11 Uhr liegen nur noch zwei km vor uns. Wir sind bereits am Skilift der Piste am Gipfel angekommen. Hier befindet sich eine Hütte mit gastronomischem Betrieb – schnell verständigen wir uns per millisekundenlangen Augenkontakt, dass im Falle eines Gipfelsieges hier eingekehrt wird.

Der Blick nach oben verheißt allerdings noch einige Anstrengungen, weshalb wir auch ein wenig neidisch auf die wenigen Passagiere in den Gondeln über uns schauen. Dass dieses Teilstück treppenartig angelegt ist, erleichtert die Angelegenheit nicht gerade, aber zum Glück sind wir nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Schlafsäcke und Matten konnten schließlich wegen der nächtlichen Fahrt zugunsten von Proviant und Unterhaltungslektüre zu Hause bleiben.

Der Feldberg heißt ja so, weil sein Gipfel aufgrund der seit Urzeiten dort grasenden Rinder kahl ist. Das mag man langweilig finden, für einen inspirierenden Rundblick während des Aufstiegs wiederum ist es eine gute Sache. So können wir dann auch schon von weitem das “bescheidene” Bismarckdenkmal ausmachen, das sich am Vorgipfel, dem Seebuck, befindet. Von hier hat man eine sehr gut Fern- und Rundumsicht. Ganz im Südwesten lässt sich, mit Hilfe der angebrachten Infotafel der Montblanc, und im Südosten die Zugspitze erkennen. So weit nach Süden konnten wir bisher noch nicht schauen – und dass man den höchsten Punkt Bayerns deutlich sehen kann erinnert uns nicht nur latent daran, dass noch was zu erledigen ist!

Ein wenig respekteinflößend ist für uns Ostfriesen übrigens auch die Tatsache, dass die Zugspitze ja noch einmal doppelt so hoch ist wie der Feldberg, und selbst hier, auf gut 1400m Höhe ist es doch schon ein wenig frisch. Darum wird auf dem Rückweg, neben dem obligatorischen einander ärgern, die Planung der schon bald anstehenden Tour zum höchsten Berg Deutschlands unser bestimmendes Thema sein.

Allerdings ist es noch nicht so weit, zunächst gilt es noch knapp 50 Höhenmeter auf einer Länge von zwei Kilometern zu überwinden. Erst nach einer weiteren halben Stunde sind wir dann wirklich am höchsten Punkt von Baden-Württemberg. Dieser ist durch eine Art Podest gekennzeichnet, und bietet für kurze Zeit noch einmal gute Fernsicht.

Leider zeichnet sich ein Wetterumschwung ab, es bilden sich mehr und mehr Wolken am Himmel. Nachdem wir noch einige Minuten damit verbracht haben, ein ausgiebiges zweites Frühstück, bestehend aus Schokolade, Salami und Pumpernickel zu uns zu nehmen, machen wir uns an den Abstieg. Schweren Herzens lassen wir übrigens die angedeutete Einkehrmöglichkeit aus, man muss Prioritäten setzten, und unter Extrembedingungen kann jede Fehlentscheidung fatale Konsequenzen haben. Lieber gelangen wir hungrig und gesund als pudelnass und angeknackst zurück – wäre ein ungünstiger Zeitpunkt um sich noch eine Erkältung oder Schlimmeres einzufangen.

Es findet ein geordneter Rückzug statt, ab und an begegnen wir anderen Wandergruppen oder Mountainbikern, die wie wir bereits längst Regenschutzkleidung tragen. Nach etwa dreistündiger Wanderung durch den Nieselregen sind wird dann in Hinterzarten. Dort setzen wir uns zu den anderen Senioren an die Bushalte, und warten gemeinsam auf den Schienenersatzbus Richtung Freiburg. Nachdem dieser eingetroffen ist, und wir das obligatorische Gedrängel beim Einstieg unbeschadet überstanden haben (Achtung- ein Gehstock kann eine Waffe sein), führt uns der Weg zurück nach Freiburg. Bereits nach kurzer Wartezeit, die wir mit dem Schreiben von Postkarten und rumhängen im Zeitschrifenladen zubringen, fährt schon der ICE Richtung Heimat ein. Auf der sechsstündigen Reise beginnt dann endgültig die Planung für unsere letzte Etappe zur Zugspitze, auf dass der Wettergott uns gnädig ist!


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